Malta ahoi!

Retro vom Feinsten: Auf einem Dampfer der Köln-Düsseldorfer von Bonn nach Köln

James Last & Co. geben alles: Sie quälen die Streicher und streicheln die Trompeten. Wunderbarer siebziger Sound säuselt aus den Lautsprechern der „Drachenfels“. Dazu ein 2011er Loreley-Riesling, Qualitätswein lieblich. Alles ist hier an Bord wie zu besten Kellergeister-Wein-Zeiten. Die Kellner tragen rote Westen zu weißem Hemd und schwarzer Hose. Und ein trockener Rheinriesling im Ausschank? Immer noch: Fehlanzeige! Wie damals, als Beckenbauer, Overath und Bertie Weltmeister wurden. In diesen goldenen Zeiten vor dem deutschen Herbst regte sich bereits mein Vater darüber auf, dass die Weiße Rheinflotte nur zuckersüßen Riesling anböte.

Beschallungsanlage der „MS Drachenfels“

Doch es hat sich etwas Entscheidendes getan an Bord. Die Reling wurde um 20 Zentimeter erhöht. Jawoll! Das maltesische Seerecht verlangt dies. Yes, well! Malta! Die Köln-Düsseldorfer-Reederei (KD) hat ausgeflaggt! Und fährt nun aus steuerrechtlichen Gründen – wie es so schön heißt – unter maltesischer Nationalität. 2012 flatterte auf den KD-Schiffen die maltesische Fahne. „Das kam bei unseren Gästen nicht so gut an“, sagt mir ein KD-Mitarbeiter. Nun liegen die Malta-Flaggen im Spind.

Hallo FC-Ultras! Hier warten viele ungenutzte Flaggenmasten auf die Geißbock-Fahne! Macht voran. Sonst wehen über der KD-Flotte bald Fahnen der Düsseldorfer Fortuna!

Allmählich rückt die malerische Silhouette der Wesselinger Raffinerien an den Mittelpunkt der Szene. Ein Gedicht. Und auch sonst ist alles ein Träumschen. In gut zwei Stunden gleitet man in aller Seelenruhe Papa Rhein von Bonn nach Köln hinunter. Ich habe mich für einen Spätburgunder Rotwein „Ingelheimer Kaiserpfalz“ entschieden, während die „Drachenfels“ am Auwald des Weißer Rheinbogens vorbei zieht. Am Horizont tauchen wenig später Kölns Rheinbrücken samt Dom auf.

Ein super Tagesausflug geht zu Ende. Mit dem Zug in „Konni“ Adenauers alte Bundeshauptstadt, den nahen Drachenfels im Blick – und dann met dem Bötchen zurück noh Kölle. Rheinisches Herz, was willst Du mehr?! Ach übrigens: Draußen nur lieblich!

Umgehe Deine Stadt IV

100 km rund um Köln im Sommer 2009

von Bruno Knopp

Von Schlebusch in mehreren Etappen nach Wahn

Im Osten Kölns verschluckt Dich der Wald und speit Dich erst am Etappenziel wieder aus. Inzwischen befinde ich mich auf Tag Sechs meiner Wanderung. Ich fahre mit der Straßenbahnlinie Vier über den Rhein bis zur Endhaltestelle in Schlebusch. Und schwups bin ich im endlos erscheinenden grünen Tann. Die Wälder hier wirken „echter“ als ihre Kollegen im Westen der Stadt. Den dortigen Grüngürtel ließ Konrad Adenauer vor knapp 90 Jahren anlegen. Das sieht man. Nicht das das ein typischer CDU-Wald wäre mit schwarzen Blättern. Nein, die Baum-Ansammlungen dort kommen mir eher parktypisch denn waldähnlich daher. Hier im Osten habe ich es jedoch mit einem ausgeschlafenen und mit allen Wassern gewaschenen richtigen Wald zu tun, durch den wohl schon Napoleons Armee gestolpert ist. Ansonsten ist die Strecke von Schlebusch nach Thielenbruch einfach schön. Schön langweilig. Wald, Wald und, ja richtig, Wald. Die Monotonie des Grüns lullt mich ein und lässt meine Phantasie schweifen. Ich verbringe hier in den Wäldern eine gute Zeit mit klaren Gedanken.

Hier auf den Sand- und Schotterflächen des Rheines konnten die Bauern im Mittelalter schuften wie sie wollten, eine Familie brachte man hier nicht durch. Und die Feudalherren mussten oft vergeblich auf ihren Anteil, den Zehnten, warten. Ackerbautechnisch war nichts zu holen. Daher ließen die Landesherren die Wälder stehen und ritten mit dem Flitzebogen auf die Jagd. Auffallenderweise flitzen heutzutage hier mehr Hunde durchs Unterholz als drüben im Westen. Woran das wohl liegt?

Mücken, bitte anfliegen
„In Thielenbruch bauen wir nicht“, stellte mein Opa laut Familien-Sage in den 30er-Jahren klar. „In der Nähe eines Bruchwalds gibt es immer Mücken!“ Deshalb zogen meine Vorfahren in den Südwesten Kölns. Und deshalb kenne ich den Thielenbruch bis zum heutigen Tag nicht. Der Wasserwald steht heute unter Naturschutz. Jetzt laufe ich zum ersten Mal hindurch. Kleine Bäche winden sich durch Erlen-Haine. Ich stelle mir kurz die Frage ob ich gerade in Finnland oder in Nordrhein-Westfalen bin? Und wo sind bitte die Mücken, Opa? Wir haben bestes feucht-warmes Mückenplage-Wetter. Aber kein Moskito-Geschwader lässt sich blicken. Auch ohne Mückenstiche bin ich froh, dass ich schlussendlich im Kölner Westen aufwuchs nahe dem studentischen Kneipenviertel. Und nicht hier im landschaftlich wertvollen rheinischen Osten. Schon fast bei den Kommunisten, wie Adenauer bestimmt dachte.

Ab ins „Ausland“!
Jetzt beginnen die Bergwertungen! Ähnlich der Tour de France macht auch der Kölnpfad heute einen Abstecher ins „Ausland“. Soeben überschritt ich die Stadtgrenze und stehe nun im Rheinisch-Bergischen Kreis. Hier in Bensberg geht es mächtig ins Rheinische Schiefergebirge hinauf. Der Lohn besteht aus herrlichen Blicken auf Köln und aus Bergischen Waffeln mit Kirschen und Sahne. Seit Tagen schaufele ich alles in mich hinein, was ich auf den Teller bekommen kann. Die Wanderungen und mein übliches Sportprogramm sind ein anspruchsvolles Training. Ich fühle mich wohl. Täglich erlebe ich Neues und mein Beruf ist gefühlte 800 km weit weg. Heute Nachmittag habe ich tatsächlich den Gedanken erwogen, nächstes Jahr um eine andere Stadt, vielleicht München, herum zu wandern.

Hinten rechts: Neandertaler spielen Federball

Tag Acht. Heute rechne ich mit den ersten Elchen. Nein. Aber ein Säbelzahntieger müsste schon drin sein, samt einer Sippe Neandertaler. Es geht tief in den Königsforst hinein. Ich wandere von Bensberg kommend ständig bergab in die Rheinniederung. Es regnet in Strömen. Erneut stundenlange Einsamkeit. Ich befinde mich weiterhin auf dem Boden der viertgrößten Stadt Deutschlands. Das muss ich mir hier mitten im Wald immer wieder klar machen. Die dröhnenden Triebwerke der großen Verkehrsflugzeuge helfen mir hin und wieder dabei. Der Kölner Flughafen liegt in der Nähe meines Etappenziels.

Die Stille neben der Ameisen-Stadt
Heute geht meine Wanderung zu Ende. Gut 100 km bin ich um und gleichzeitig durch meine Stadt gelaufen, die mir selten so fremd war. Jetzt verstehe ich, warum Menschen 10 km von Stadtzentren entfernt wie Eremiten im kommunalen Forsten leben können – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Im Bayrischen Wald mag man sich das ja vorstellen. Aber in Großstädten? Ich habe gelernt, Städte funktionieren, speziell in den Zeiten von Neubaugebieten auf Äckern, wie Ameisenstaaten: Punktuelle Überbevölkerung auf geringer Fläche. Daneben körperliche und geistige „No-Go-Areas“. Gemiedene Orte – warum auch immer. Es gibt Menschen, die suchen die Stille in den einsamen Regionen der Welt. Ich habe sie überraschenderweise hier gefunden. In Köln.

Drover Heide: Urzeitkrebse wie in Yps

Südlich von Düren liegt bei Kreuzau ein kaum bekanntes, knapp 700 Hektar großes Naturschutzgebiet: die Drover Heide. Viele sehr seltene Tierarten leben dort. Auch archäologisch bietet die Drover Heide etwas ganz Besonderes.

Landwirtschaftlich unbrauchbare Flächen in Dorfnähe pflegte und pflegt der Rheinländer gerne als Aufstellflächen für Karneval und Schützenfeste zu nutzen. Liegen diese Areale zwei Steinwürfe weiter entfernt, so „überlässt“ der Einheimische sie hier häufig wohlwollend dem Militär.

Selbiges passierte auch am Rande des partiell pittoresken Dorfes Drove bei Kreuzau, bei Düren. Dort liegen die weiten Sandflächen obendrein noch gute 30 Meter oberhalb des Dorfes. Solche „Bergwertungen“ mag der Karnevalist sowieso nicht. In Mainz, Düsseldorf und Köln ist das Terrain der Rosenmontagszüge tellerflach.

In Drove bei Kreuzau, bei Nideggen, bei Düren eroberten also Panzer in den vergangenen Jahrzehnten die Weite des Raumes. Dabei fielen auch noch die letzten Bäume um. Das Ergebnis ist eine amtlich große Heidefläche, in der man jeden ordentlichen norddeutschen Heimatfilm hätte drehen können. Zumindest am Wochenende, wenn sich die NATO-Soldaten an der Übungs-Kampflinie traditionell ausruhten.

Bilder der herrlischen Drover Heide2004 zog NATO-Partner Belgien sich aus der Drover Heide zurück und verstärkt nun die Fritten-Front in der Heimat. Ziegenmelker, Neuntöter (beides übrigens Vogelarten und keine Ausbildungsberufe) blieben alleine in der Heide. Schottische Hochlandrinder und thüringische Waldziegen rückten ein. Anstelle von Panzern sollen sie nun die erneute Bewaldung der Heideflächen verhindern. Diese zivilen Mitarbeiter machen ihren Job wirklich ordentlich. Und manchmal kommt auch noch Kollege Mensch hinzu und fackelt einige Areale der Drover Heide kontrolliert ab.

Am Rande der Eifel liegt ein wunderschönes, kaum bekanntes Naturschutzgebiet von 670 Hektar Größe. Dies sind etwa 1.000 Fußballfelder. Birkenwälder, Heideflächen und kleine Tümpel lassen den Besucher Elche erwarten. Die gibt’s aber nicht. Dafür aber Urzeitkrebse. Jawoll! Urzeitkrebse (Triops cancriformis) außerhalb von Yps-Heften sowie Blumenvasen/Bierhumpen/Aquarien in deutschen Jugendzimmern. Die Drover Heide ist das einzige Urzeitkrebs-Eldorado Nordrein-Westfalens. Na, wenn das kein top Wander- und Ausflugsziel für Familien mit nölenden Frühpubertierenden ist?!

Ein einzigartiger Tunnel
Zu allem Überfluss haben unterhalb der Drover Heide auch noch die Römer außergewöhnliches geleistet. Ja, unterhalb. Denn der mit 1.660 Metern längste römische Tunnel nördlich der Alpen zieht sich unter der Heide her. Er beginnt am westlichen Abhang der Drover Heide, wo sich der „Heilige Pütz“, eine eingefasste Quelle, befindet. Das Wasser wollten die römischen Ingenieure jedoch wahrscheinlich zu einem Villa rustica, einem Landgut, bei Froitzheim in der Zülpicher Bucht leiten. Dafür mussten sie das Heideplateau überwinden. Dies gelang durch den Bau des Tunnels. Noch heute finden sich im Heidegelände viele Trichter. Es sind die kreisrunden Überreste der römischen Bauschächte. In einem Abstand von 12 bis 26 Metern schaufelten die Erbauer die bis zu 26 Meter tiefen Schächte. Vom Schachtgrund aus gruben sich die Tunnelbauer horizontal durch den Boden – bis zum nächsten Schacht. Dort unten gossen sie währenddessen aus Opus caementitium (ähnlich heutigem Beton) auf engstem Arbeitsraum eine Wasserleitung ein.

Viel Spaß in der Drover Heide!

Sehr gut aufbereitete Informationen zum Drover Bergtunnel gibt es unter: http://mm-historyguide.de/14.0.html

Wanderführung übers Worringer Schlachtfeld nach Merkenich am 1.11.12

Und es geht weiter: UMGEHE DEINE STADT – am Do., 1. November 2012
von Roggendorf übers Worringer Schlachtfeld nach Merkenich

UMGEHE DEINE STADT von Roggendorf nach Merkenich am 1. November 2012!Da oben im Kölner Norden knapp unterhalb des Polarkreises war doch was? Ja! Die Schlacht von Worringen im Jahr 1288. Das Massengemetzel mit 10.000 Teilnehmern vom 5. Juni 1288 gilt als eine der größten und bedeutendsten Schlachten des mittelalterlichen Europas. Nebenbei befreiten sich damals die guten Kölner Bürger vom bösen, bösen Kölner Erzbischof.

Wir stellen die Schlacht mit Holzschwertern nach! Nein. Mit Sahnetorten!

Und dann geht´s am wunderwunderschönen Rhein entlang Rischtung Merkenisch! Kennen Sie Rheinhexen? Gut, manche Bedienung auf den Ausflugsdampfern ist ein Drache – doch echte Rheinhexen wurden seit 1905 nicht mehr gesichtet. Wir schauen mal, wie die Hexen aussahen.

Am 1. November weed et widder herrlisch!

UMGEHE DEINE STADT!
Wandern rund um Köln mit Bruno Knopp
Donnerstag, 1. Nov. 2012: Von Roggendorf nach Merkenich (ca. 15 km)
mit Einkehr mittendrin

Treffpunkt: 12.15 Uhr S-Bahnhaltestelle „Worringen“ in Roggendorf (S 11)
Ziel: etwa 18.30 Uhr KVB-Endhaltestelle „Merkenich“ (Linie 12)
Preis pro Person für die 6,5 Stunden-Wandertour: 30,00 €

Bitte unbedingt anmelden! Sonst kann ich die Teilnahme nicht immer garantieren.
Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 25 Personen begrenzt. Teilnahme auf eigene Gefahr. KVB-Tickets, Speisen und Getränke nicht im Preis enthalten.

Karten gibt es:
in der Buchhandlung Olitzky, Luxemburger Str. 275; www.olitzky.de

und bei mir nach vorheriger Überweisung:
Einfach E-Mail an post@knopp-pr.de schreiben – mit postalischer Anschrift. Ich sende Ihnen meine Konto-Nummer. Ihre Karte(n) erhalten Sie nach Geldeingang, oder ich bringe sie zur Wanderung mit. Bei Ausfall der Tour gibt es Geld zurück.

Dort wo die eine Wanderetappe endet, soll einige Wochen später die nächste
Etappe beginnen. Die Touren werden zwischen 14 und 16 Kilometer lang sein. Die Start und Zielpunkte der einzelnen ”Rund um Köln – Wandertouren” liegen immer günstig an (S)Bahn oder Bus.

Einsteigen kann jeder jederzeit in das rheinische Wandervergnügen.

Jawoll! Et weed widder herrlisch!

Die Erfindung des Rheinlands – wie alles begann

Dieser Artikel erzählt die Vorgeschichte, die schließlich zur Gründung der „Preußischen Rheinprovinz“ 1822 führte. Aus der Rheinprovinz entwickelte sich der Begriff „Rheinpreußen“ und später schlicht das „Rheinland“ oder „Rhenania“. Siehe „Die Erfindung des Rheinlands“

Von Dr. Ernst August Knopp – bearbeitet und ergänzt von Bruno Knopp

Die Wurzeln des „Rheinlands“ liegen in den Verträgen von Verdun 843 sowie von Mersen im Jahr 870. In ihnen wurde das Reich Karls d. Großen mehrmals unter den Söhnen und Enkeln des Kaisers Ludwig d. Frommen aufgeteilt. Dieser war der Sohn Karls d. Großen. Es entstanden das Ostreich – sowie das Westreich unter den französischen Karolingern. Dort herrschten ab 987 die Karpetinger und ihre Nachfolger.

Herzogtum Lothringen - Quelle: Wikimedia Commons - Urheber JOOSTIK - Status: Public DomainBei Antritt der Herrschaft über das Ostreich durch Arnulf v. Kärnten 887 (Enkel Ludwigs d. Frommen und ab 896 Kaiser) zählten zu Lothringen inzwischen auch die zunächst westfränkisch gebliebene Regionen um Verdun, Bar und Toul. An das Ostreich fielen ebenfalls Brabant, Antwerpen und Löwen (Leuwen). So wurde die Schelde von Cambrai bis zu ihrer Mündung Grenzfluss zum Westreich – also zu den französischen Karolingern und ihren Nachfolgern. Sprich: zu Frankreich. Das Gebiet, das man heute als das „Rheinland“ bezeichnet, gehörte vollständig zum Herzogtum Lothringen. Siehe Karte.

Arnulfs Nachfolger wurde 899 dessen sechs Jahre alter Sohn Ludwig – genannt „das Kind“. Nach ihm wollte Konrad I. von Franken den ostfränkischen Königsthron behaupten. Er war sowohl mit den Ostkarolingern als auch mit den Ottonen eng verwandt. Doch die jungen, neu gegründeten Herzogtümer Sachsen (lag damals im heutigen Westfalen!, Niedersachsen und Schleswig-Holstein), Franken, Bayern, Schwaben sowie Lothringen stellten sich teilweise gegen Konrad. So erkannten schlussendlich Schwaben und Bayern seine Königsherrschaft nicht an. Ein weiterer bedeutender Gegenspieler war Heinrich d. Vogler – seit 912 Herzog von Sachsen.

Laut dem Chronisten Widukind soll Konrad I. auf dem Sterbebett gewünscht haben, Heinrich I., den Vogler, zum König des (Ost-)Frankenreichs zu erwählen. Lange Zeit galt Heinrich I. damit als der erste Deutsche König. Was aber de facto falsch ist. Es gab nämlich bei genauer Betrachtung der Titelsignaturen nie einen deutschen König! Der Titel lautete immer „Rex francorum“. Und ab Heinrich IV. (der Canossa-Umgeher) hieß der Königstitel „Rex romanorum“. Damit sollte der Anspruch auf den in Rom vom Pabst verliehenen römische Kaisertitel „Imperator romanorum“ für ursprünglich fränkische Könige unterstrichen werden. Folglich gab es den Titel des Deutschen Kaisers auch erst seit 1871. Doch nach diesem kleinen Ausflug wieder zurück ins 10. Jahrhundert: Die Entwicklung des fränkischen Königtums auf Grundlage seiner starken Stammesherzogtümer zu einem im Mittelalter und der Frühen Neuzeit als „deutsch“ empfunden Kultur- und Herrschaftsgebilde war ein langer Prozess. In diesem spielte der aus Sachsen stammende fränkische König Heinrich d. Vogler eine entscheidende Rolle.

Dem Königreich trat im Jahr 925 schließlich auch Lothringen – zu dem unsere Region gehörte – als 5. „deutsches“ Stammesherzogtum bei. Das Jahr 925 kann man also als (mit gutem Willen) Geburtsjahr der Deutschen Rheinlande betrachten. Deswegen veranstaltete die Preußische Rheinprovinz 1925 in Düsseldorf als Sitz ihres Provinziallandtages eine große 1000-Jahr-Feier mit vielen Festen und Festschriften. Doch von 925 bis zur Gründung des Rheinlandes als ein festes, territoriales Verwaltungsgebilde 1815 war noch ein langer Weg zu beschreiten. Also wieder zurück in’s Mittelalter:

Die fünf sogenannten Stammesherzogtümer hatten sich erfolgreich als politischer Machtfaktor zwischen fränkischem König und Grafschaften festgesetzt. Aber König Otto I. (ab 956 auch römischer Kaiser) waren die Herzöge zu einflussreich. Diese wollten ihre Macht gegenüber den nunmehr starken fränkischen Königen behalten. Deshalb besetzte der König bedeutende Herrschaftspositionen zunehmend mit Verwandten. Ebenfalls vergab Otto I. weltliche sowie territoriale Machtbefugnisse nun an die Kirche – und band sie als Reichskirche an sich. Als sich beispielsweise Konrad der Rote, Herzog von Lothringen und Schwiegersohn Otto d. Großen, gegen Otto empörte, entzog ihm Otto I. das Herzogtum und übertrug es 953 seinem jüngsten Bruder Bruno, der im gleichen Jahr Erzbischof von Köln geworden war. Bischöfe und Klöster stritten in der Folge mit Herzögen, Grafen und Edelherren um Land und Macht.

Inzwischen war Lothringen in Nieder- und Oberlothringen geteilt worden. Die Grenze zog sich quer durch die Eifel, etwa in der Linie Bad Breisig – Prüm. Die südwestlichen Territorien konnten sich langfristig als Herzogtum erhalten. Daher auch Region-Bezeichnung „Lothringen“ in Frankreich. Niederlothringen zerfiel in verschiedene Herrschaftsgebiete. Luxemburg, Jülich, Brabant, Limburg sowie die die Bischöfe von Köln und Trier waren nur einige Akteure auf dem Gebiet des heutigen „Rheinlands“. Sie und diverse kleinere Landesherren sollten sich in den kommenden Jahrhunderten in diversen Konstellationen um jedes Dorf und jede Münze streiten. Dies geschah bis zum Einmarsch der Franzosen 1794. Die Besatzer und späteren kurzzeitigen Landesherren leiteten eine neue Epoche ein.

Wie sich dieses neue Zeitalter hier am Rhein gestaltete, lesen Sie/lest Ihr im Artikel„Die Erfindung des Rheinlands“. Dort findet sich auch eine Karte der Preußischen Rheinprovinz.

Umgehe Deine Stadt III

100 km rund um Köln im Sommer 2009

von Bruno Knopp

Etappen drei und vier: von Roggendorf-Thenhoven über Worringen nach Merkenich – und von Mülheim nach Schlebusch

Der Besuch ist da! Mein alter Freund Eberhard begleitet mich heute durch niederrheinische Wälder, Felder und Dörfer. Es geht vom Doppelnamen-Dorf zum Rhein und dann Richtung Süden. Den Ford-Werken entgegen. Heute wird es heiß. Kaiserwetter ist angesagt. Wilhelm II. ließ sich immer nur bei Sonnenschein auf Freiluftveranstaltungen blicken. Eberhard und ich geben zunächst dem Worringer Bruch die Ehre. Ein Bruch ist ein von Gewässern durchzogener Wald. Der alte Rheinarm nahe dem Dorf Worringen sieht aus der Luft aus wie ein Hufeisen, das zum aktuellen Flussbett hin geöffnet ist. Wir wandern am Waldrand entlang und schauen auf die Felder. Einsamkeit. Sind wir wirklich noch in Köln? Ja, wir stehen nahe an der nördlichen Stadtgrenze. Gnädigerweise verdeckt der Wald das jenseitige riesige Bayerwerk von Dormagen.

Schlacht von Worringen: unangenehme kölsche Wahrheiten
Eberhard und ich passieren die Landstraße nach Neuss und marschieren weiter durch die Felder Richtung Rhein. Exakt südlich von hier schlugen sich nahe Fühlingen vor gut 700 Jahren über 10.000 Menschen auf die Köpfe. Als Schlacht von Worringen (warum eigentlich nicht von Fühlingen?) ging das Gemetzel vom 5. Juni 1288 mit geschätzten 2.000 Toten in die Geschichte ein. Die Schlacht war eine Folge des Zerfalls des Herzogtums Niederlothringen ab etwa dem 11. Jahrhundert. (Siehe hier.) Diverse Herrscher stritten in der Folge in wechselnden Bündnissen um die Kuchenstücke. Das Hauen und Stechen nahe Fühlingen entschied den Erbfolgestreit um das maasländische Herzogtum Limburg (die Gegend rund um Maastricht) nachdem das Herrscherhaus ausgestorben war. Mehrere nahe Verwandte des Hauses Limburg meldeten ihren Anspruch an. Die ganze Geschichte entwickelte sich zu einem Machtkampf um die Vorherrschaft am Niederrhein. Jeder Bischof, Herzog oder Graf der Gegend schlug sich schließlich entweder auf die Seite des Grafen Adolf von Berg mit seinem Förderer, dem Herzog von Brabant, oder auf die des Grafen Heinrich von Luxemburg. Auf letzterer Standen auch die Kölner Bürger und ihr Erzbischof. Er versuchte seit Jahren mit aller Macht einen Kurkölnischen Großstaat zwischen Maas und Weser aufzubauen. Sein Ziel sah er durch die Gegenseite in Gefahr.

Drei Wochen vor der Schlacht brachen die Kölner Bürger den Treueeid gegenüber ihrem Bischof, fielen ihm kalt in den Rücken und wechselten die Seiten. Nach der Schlacht zählten die Kölner Eidbrecher zu den Gewinnern. Im autistischen, selbstbetrunkenen Bewusstsein der tollsten Stadt der Welt gilt der Sieg der ehrenhaften Bürger über ihren bösen, bösen Erzbischof bis heute als große Heldentat auf dem Weg zur städtischen Freiheit. Wir Kölner waren und sind Spezialisten für Parallel-Universen. Hier brechen durch Schlamperei U-Bahn-Baustellen zusammen und reißen zwei Menschen in den Tod. Doch Köln sagt gottesfürchtig: „Tja. Et kütt wie et kütt un et es wie et es. (Es kommt wie es kommt und es ist wie es ist.) Lass uns lecker Kölsch trinken!“

Direkt am Rheinufer wandern wir nach Süden Richtung Fordwerke und Innenstadt. Gänsefamilien gründeln in der Mittagssonne am Ufersaum. Kaum zu glauben, dass der Fluss zu den meist befahrenen Wasserstraßen Europas gehört. Rechts liegt plötzlich ein riesiger Schuhkarton in der Landschaft. „Ford“ steht drauf. Hier bei den Fordwerken läuft sie wieder zu Höchstform auf, die zerfledderte Stadtperipherie: Pferdekoppeln neben Gewerbeflächen. Niemandsländer, alte Bauernhöfe, Mini-Neubaugebiete. Mittendrin Gemüsegärten und Weizenfelder. Mittendurch schlägt sich die Autobahn. Hier im Nirgendwo neben den Brombeersträuchern liegt der Straßenbahn-Wendehammer nahe der Endhaltestelle „Merkenich“.

Mach doch mal rüber
Beine und Füße schmerzen. Der Held liegt platt auf dem Sofa. Sein Gegner ist die unendliche rheinische Weite. Doch aufgeben? Niemals. Also auf zu Etappe Fünf! Es geht von Köln-Mülheim über Flittard nach Schlebusch. Für den Ortskundigen heißt das: Jetzt mache ich rüber in den Osten. Über den Rhein. In Köln-Mülheim marschiere ich los Richtung Norden. Eine geraume Zeit läuft ein Mann mit Laptop-Tasche neben mir den Rhein entlang. Wir kommen ins Gespräch. Ob er auf dem Weg zur Arbeit wäre, frage ich ihn. „Nein“, antwortet er in gebrochenem Deutsch. „Ich gehe in den Wald.“ Er sei in seiner Freizeit Schalmei-Spieler. Und dies Blasinstrument sei so laut, dass er zu Hause nicht üben könne, erklärt mir Memet. Also spielt Memet entweder im Wald oder auf türkischen Hochzeiten. Als wir uns in Stammheim trennen, öffnet er für mich doch noch seine Computertasche und holt sein schönes, dunkelbraunes Holzinstrument heraus. Er spielt fünf Töne. Ich reiße reflexartig die Hände vor meine Ohren. Stockenten und Rentner blicken sich erschrocken um. Alter Schwede, auf türkischen Hochzeiten muss ja einiges abgehen!

Könnte auch tief in Schweden sein. Naturschutzgebiet bei Schlebusch.In Gedanken versunken wandere ich an einem wunderschönen Waldsee vorbei. Die rechtsrheinische FKK-Gemeinde hat sich hier in der ehemaligen Kiesgrube fest etabliert. 100 Meter weiter links liegt die testosteron-triefende Gangster-Rapper-Was guckst Du?!-Fraktion. Die Vertreter dieser unterschiedlichen Lebensstile scheinen nebeneinander friedlich in der Sonne zu liegen. Na, geht doch!

Freundlicherweise hat man vor vielen Jahrzehnten die Straßenbahnschienen bis Schlebusch verlegt. Das ist jetzt gut für mich. Ich schleife mich aus dem Unterholz kommend über die Straße und robbe die Trittstufen hinauf in den Zug der Linie 4. So sehen Sieger aus.

Und es geht weiter: Büdchenführung am 28.9. sowie Wanderung um Köln am 30.9.12

Das hat Spaß gemacht! Kölsch oder Fassbrause in die Hand – und los. Über 20 Kioskkultur-Interessierte gingen im August mit bei der ersten Sülz-Klettenberger Büdchenführung. Da nun viele nach einer Neuauflage rufen, gibt´s die nächste Büdchenführung am Freitag, 28. September um 19.00 Uhr.

Zwei Tage drauf, am Sonntag, 30. September, gehen wir wieder wandern – diesmal von Bocklemünd nach Roggendorf. „Umgehe Deine Stadt“ heißt das Projekt. Auf insgesamt 12 Etappen umrunden wir rechts und links des Kölnpfades die Domstadt. Weitere Infos zur Wanderung am 30. September finden sich im Artikel unter dieser Ankündigung.

Sülz-Klettenberger Büdchenführung am Freitag, 28. September 2012
Die Kulturgeschichte von Trinkhalle und Kiosk.

(Wahrscheinlich) garniert mit Seemannsgarn und wahren Hochseegeschichten von Marco Duesmann, 1. Offizier auf dem Containerschiff „Antje Wulff“! Denn zu einem guten Büdchenbier gehören wilde Stories!

Treffpunkt: Freitag, 28. Sept. 2012, 19.00 Uhr Büdchen Luxemburger Str. / Gottesweg

Preis: 20,00 €

Anschließend gehen wir stilsicher trinken. Wer Lust hat kommt mit!

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 Personen begrenzt. Bitte unbedingt vorreservieren und Personenzahl angeben unter post@knopp-pr.de. Sonst wird die Teilnahme nicht garantiert.

Zahlung vor Ort. Teilnahme auf eigene Gefahr. Speisen und Getränke nicht im Preis enthalten.

Da wird schön!

Wanderführung von Bocklemünd nach Roggendorf am So. 30. September

Umgehe Deine Stadt! Nach der wunderschönen Auftaktwanderung von Klettenberg nach Bocklemünd geht es nun auf die zweite hochinteressante Etappe. Ich freue mich auf Sie!

Umgehe Deine Stadt am So., 30. Sept. 2012 von Boclkemünd nach Roggendorf!UMGEHE DEINE STADT –
Wandern auf fast vergessenen Wegen
rund um Köln – entlang des Kölnpfads

Diesmal geht es am Sonntag, 30. Sept:
von Bocklemünd und Roggendorf
(etwa 14 km) mit Einkehr mittendrin

Treffpunkt:12.00 Uhr an der KVB-Haltestelle “Bocklemünd” an der Venloer Str. (Linien 3 u. 4)

Ziel: etwa 18.30 Uhr: S-Bahn-Haltestelle “Worringen” in Roggendorf
Preis pro Person für die 6,5 Stunden-Wandertour: 30,00 €

Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 25 Personen begrenzt. Teilnahme auf eigene Gefahr. KVB-Tickets, Speisen und Getränke nicht im Preis enthalten.

Auf dem Weg von Bocklemünd nach Roggendorf gibt es wieder viel zu entdecken.
Unterwegs werfen wir einen Blick auf Mengenich mit seinem Zentrum aus den 1960er Jahren. Dann wandern wir über Auweiler nach Esch. Nahe der alten Dorfkirche kehren wir in Miro´s Bistro ein. Ich bringe eine Speisekarte mit. Von unterwegs bestellen wir dann bereits das Essen vor.

Nach der Pause gehen wir weiter zum „Wasserwerk Weiler“. Es liegt versteckt im Wald
und ist ein schönes historisches Industriegebäude aus dem Jahr 1925. Von dort wandern
wir dann über die Felder nach Roggendorf/Thenhoven. Die niederrheinische Landschaft
hier vermutet man eigentlich erst viel weiter nördlich.

Karten gibt es:
in der Buchhandlung Olitzky, Luxemburger Str. 275; www.olitzky.de

und bei mir nach vorheriger Überweisung:
Einfach E-Mail an post@knopp-pr.de schreiben – mit postalischer Anschrift. Ich sende Ihnen meine Konto-Nummer. Ihre Karte(n) erhalten Sie nach Geldeingang, oder ich bringe sie zur Wanderung mit. Bei Ausfall der Tour gibt es Geld zurück.

Dort wo die eine Wanderetappe endet, soll einige Wochen später die nächste
Etappe beginnen. Die Touren werden zwischen 12 und 15 Kilometer lang sein. Die Start und Zielpunkte der einzelnen”Rund um Köln – Wandertouren” liegen immer günstig an (S)Bahn oder Bus. Die reine Wanderzeit beträgt immer 3 bis 4 Stunden.

Einsteigen kann jeder jederzeit in dieses rheinische Wandervergnügen.

Schön wird´s wieder!

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Die 3. „Umgehe Deine Stadt“-Wanderung gibt es übrigens am So., 14. Oktober 2012! Dann gehen wir von Roggendorf über Worringen nach Merkenich. Wie üblich wandern wir von 12.00 Uhr bis 18.30 Uhr und nutzen Öffentliche Verkehrsmittel.

Genaue Infos folgen noch!

Die Jülicher Zitadelle

„Was hat Jülich denn zu bieten außer dem Forschungszentrum?“, mag man sich fragen. Da gäbe es auch noch den einen oder anderen recht ordentlichen Eisdieler… War ein Witz.

Doch Jülich hat Einzigartiges zu bieten. Die gewaltige Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert mitten in der Stadt lohnt einen Besuch. Die Soldaten sind schon lange weg. Heute ist Festungsanlage ein bedeutendes Architekturdenkmal. In der Mitte der Zitadelle thront das ehemalige Residenzschloss der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg. Seit 1972 beherbergen der erhaltene Ostflügel des Schlosses und ergänzende Neubauten das größte Jülicher Gymnasium. Die Schüler müssen durch massive Tunnelanlagen gehen oder radeln, um ihr „Gymnasium Zitadelle“ zu erreichen. Mit solch einem Schulweg kann später auch nicht jeder angeben bei Prosecco oder Sherry. (Wenn man denn meint, dies wäre wichtig.)

Die Jülicher ZitadelleDer italienische Stadt- und Festungsbaumeister Alessandro Pasqualini plante die Jülicher Zitadelle inklusive Schloss und samt Stadtbefestigung in einem Wurf. Von 1548 bis 1580 dauerten die Bauarbeiten nach den Vorgaben des Italieners. „Zufälligerweise“ brannte 1547 die alte Satdt Jülich fast gänzlich ab. Ob Unfall oder Brandstiftung – man weiß es nicht.

Auf jeden Fall konnte der Baumeister nun das neue Jülich samt Zitadelle und Residenzschloss in einem Rutsch im damals angesagten Renaissance-Stil entwerfen. Nach der fast vollständigen Zerstörung Jülichs im Zweiten Weltkrieg erinnern heute noch der Straßengrundriss des Stadtkerns und seine einheitlich niedrigen Gebäude an den Entwurf des Stadt- und Festungsbaumeisters.

Lange Zeit galt Pasqualinis Jülicher Festungsanlage als eine der stärksten Europas. Die Zitadelle besitzt vier Bastionen mit bis zu 42 m starken Mauern. Die Distanz von Bastionsspitze zu Bastionsspitze beträgt an den Außenkanten jeweils 300 Meter. Im Inneren der Festung war und ist es permanent kühl und feucht. Öfen mussten Sommers wie Winters heizen, um das leben der Festungstruppen erträglich zu machen. Heute „wohnen“ Fledermäuse in vielen Gängen und Räumen der Zitadelle.

Im Laufe der Jahrhunderte standen Festung und Stadt im Mittelpunkt diverser bewaffneter Konflikte. 1610 lag Jülich erstmalig massiv unter Feuer. Nach Aussterben des jülich-klevischen Herrscherhauses im Jahr zuvor kam es zum damals fast schon obligaten Erbfolgekrieg. Nach einem Monat Belagerung nahmen mehrheitlich protestantische Koaltionstruppen unter Moritz von Oranien-Nassau und Christian von Anhalt die Zitadelle ein. Die überlebenden Truppen von Kaiser Rudolf II. durften ehrenvoll abziehen. Jülich gehörte nur 12 Jahre zu den Niederlanden. Dann wurden die protestantischen Niederländer nach Belagerung von den katholischen Spaniern vertrieben. Sie zogen 1660 ab und überließen das Jülicher Land dem wittelsbachischen Haus Pfalz-Neuburg. Die Residenzstadt des Herzogtums Jülich-Berg war Düsseldorf. Die Pfalz-Neuburger hatten bereits 1609 ihre Erbansprüche geltend gemacht und waren mit den Niederländern gegen Jülich gezogen. Auf besagte Pfälzer folgte in der Erblinie schlussendlich Bayern. Jülich hatte viele Herrscher.

Und dies waren längst nicht alle: Von 1795 bis 1814 saßen die Franzosen in Zitadelle und Stadt. Die Französische Republik annektierte das linksrheinische Jülicher Land und machte es später zum eigenen Staatsgebiet. Napoleon ließ die markanten Ecktürme des Schlosses schleifen. Als ausgebildeter Artillerieoffizier erkannte er, dass die Kanoniere ihre Waffen an diesen Landmarken gut einmessen konnten. Westlich der Rur errichteten die Franzosen ein zusätzliches Bollwerk, den Brückenkopf. Er sollte den Flussübergang schützen. Aus den beachtlichen Überreste dieser Festung entstand der heutige attraktive Brückenkopfpark.

Schließlich kamen die Preußen 1815 ins Rheinland – und natürlich auch nach Jülich. 1860 ballerten Sie mit ihren neuen, explosiveren Granaten große Löcher in die alten Backstein-Festungsmauern. Spätestens nun war klar: die Zeiten der Festung Jülich sind vorbei. Die Mauern rund um die Stadt fielen. In die Zitadelle zog eine Offiziersschule ein. Mit dem Einzug des Gymnasiums in den nach dem Krieg lange sanierungsbedürftigen Festungskomplex war auch der mentale militärische Rückbau abgeschlossen.

Im Schatten der Zitadelle findet übrigens seit 1994 jährlich im Juni ein bedeutender reiner Kunsthandwerkerinnenmarkt statt. Nicht nur dann lohnt sich ein Besuch in Jülich. Und dort gibt es auch bestimmt einen Eiserdieler, der was kann.

Viel Spaß in Jülich!

Informationen über die Jülicher Zitadelle, das dortige Museum und seine Öffnungszeiten finden sich unter: www.juelich.de/museum